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Museum Weissgarten
Wer Picasso, Kandinsky, Dali, Klein oder Naumann liebt, wird hier nicht fündig. Wer Künstler wie Polke, Richter, Beuys, Palermo und Rauch studieren möchte, wird ebenfalls enttäuscht. Denn: Das Museum hat sich ganz der Förderung und Präsentation würgenbergischer Künstler verschrieben.
Das 1973 eröffnete Museum bietet einen einzigartigen Überblick über die Kunstszene Würgenbergs vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Ein Schwerpunkt des Museums beschäftigt sich mit dem großen Umbruch der würgenbergischen Kunstszene Ende der 1950er Jahre. Herrschte bis dahin eine eher konventionelle, fast reaktionäre Kunstvorstellung unter Künstlern und Kritikern vor, die frei von modernen Strömungen wie Abstraktem Expressionismus, der englischen Avantgarde, Dada oder Impressionismus waren, tauchten plötzlich neue junge Künstler aus der Isolation ihrer Dörfer auf. Bald firmierten diese Künstler unter dem Etikett „Neue Pessimisten“. Diesen Namen erhielten sie nach ihrer ersten großen Sammelausstellung in der Galerie Macke, die von dem Künstler Macke im väterlichen Stall eingerichtet wurde. Der Sammler und Kritiker Heiner Ludewig schrieb: „Eine wahrhaft pessimistische Kunst. Ich bin fasziniert, wie die Künstler die Beziehung zwischen Kunst und Leben in ihren Werken zum Ausdruck bringen. Diese zutiefst depressiven jungen Leute sind die Zukunft des Landes.“ Die „Neuen Pessimisten“ hatten die Poetik der Entropie entdeckt und fanden vor ihrer Haustür ausreichend Bezugsmaterial. Künstler wie der gescheiterte Ingenieur Heinz Heuer schufen nutzlose Landwirtschaftsmaschinen wie den Weindrescher und den einrädrigen Traktor. Während Werner Macke mit seinen „Ready Mades“ wie dem Mähschemel - ein einfacher dreibeiniger Hocker, den er auf ein Feld stellte, als er von seinem Vater die Aufgabe erhielt, das Feld zu mähen -, die Vorstellungen von Kunst und Arbeit revolutionierte. Hans Häffele feierte mit seinen monochromen braunen Leinwänden die Leere und Poetik des agrarischen Raums in seinem Heimatbezirk Schmandt. Nach einer finanziellen Krise verwendete er bei neueren Arbeiten Hundekot statt Ölfarbe, um den Verfall seiner würgenbergischen Heimat und seiner Liquidität zu konzeptionalisieren. Die Fluxus-Künstlerin Magda Weckle hingegen machte mit ihren organischen, biomorphen Installationen aus Apfelresten und Schweineohren das Vergehen alles Irdischen im Allgemeinen und den Verlust des väterlichen Bauernhofs im Besonderen zum Thema ihrer Arbeit. Von ihren Arbeiten finden sich nur noch Reste im Erdgeschoss des Museums (am besten folgt man den Ameisenstraßen). Neueste Richtungen in der würgenbergischen Kunstszene streben wieder zum Konkreten. Die Arbeiten aus den 1990er Jahren, die dem so genannten Hyperrealismus zugeschrieben werden, zeigen großformatige, ironiefreie Ölgemälde. Es handelt sich hierbei um 1:1 große Darstellungen von Hirschen, Fasanen, schönen Frauen und Männern. Sie werfen einen melancholischen Blick auf das Verschwinden dieser Geschöpfe aus den würgenbergischen Gefilden.
Das Museum verstand sich von je her auch als Ort, an dem ein aktiver und offener Dialog zwischen Künstlern, Kunstkritikern und Publikum ausgetragen wird. Nach einigen unschönen Zwischenfällen wurde ein Dialograum eingerichtet. Hier befindet sich ein Boxring. Es gelten die Kampfregeln des internationalen Boxverbandes. |
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