Besenwirtschaft
Überall im Lande findet man so genannte Besenwirtschaften, auch Heckenwirtschaften genannt. Hier schenken Winzer ohne behördliche Konzession, für deren Erwerb sie zu geizig sind, ihren selbst erzeugten Wein aus. Dies ist illegal. Die Winzerfamilien sitzen daher hinter Gartenhecken und warten bis Wanderer die Hecke passieren. Flink wird ein Besenstiel durchs Gebüsch geschoben und so dezent auf den Ausschank aufmerksam gemacht. Leider kommt es immer wieder zu Unfällen. Wanderern werden Knieschoner und Helm empfohlen. Wer nun Lust auf einen Schoppen verspürt, sucht in der Hecke ein kleines Loch, das die Winzer extra für diesen Zweck in den Busch geschnitten haben. Gegen wenige Cent reicht der Winzer seinen Wein durch das Loch mit dem Satz: „Wanderer, losch’s schmecke, Bulle, verrecke.“ Auch wenn Besenwirtschaften illegal sind, werden sie vom Ordnungsamt weitestgehend toleriert. Ein Verzeichnis der Besenwirtschaften findet sich im Ratgeber „Knall nach Fall: Unsere Besenwirtschaften“, der in jedem Tourismusbüro ausliegt. Für den Betrieb einer Besenwirtschaft gibt es Regeln. Es darf nur selbst erzeugter Wein ausgeschenkt werden. Außerdem nur eine Sorte, was zu reizvollen Cuvées führt, da die Winzer meist ihre unverkäuflichen Reste zusammenschütten. Auch Speisen werden von den Winzern angeboten. Diese sollte man höflich, aber bestimmt ablehnen. Meist wird Erbsensuppe mit einer Kelle durch das Loch gereicht. Allerdings ohne Teller und Löffel. Der Reiz der Besenwirtschaft besteht einerseits darin, nie zu wissen, was man gerade trinkt, und andererseits nie zu wissen, wann der Kater am nächsten Morgen nachlässt. Insider-Tipp Häufig denken Wanderer, hinter jedem Loch in der Hecke befinde sich eine Besenwirtschaft. Dem ist nicht so. Einige Löcher dienen ausschließlich dazu, den Müll auf die Straße zu schmeißen oder durch die Hecke zu pinkeln. Der clevere Wanderer wartet daher stets, bis er vom Besen erwischt wird. |